Raus aus dem Hamsterrad! Vom Zeitmanagement zum Energiemanagement

Das Industriezeitalter steckt uns noch deutlich in den Knochen. Mit seiner Zeittaktung und Fließbandarbeit hat es uns stark geprägt. Wir sind erzogen, die Zeit bestmöglich einzusetzen. Auch Menschen in Verantwortung haben diese Praxis mit der Muttermilch aufgesogen. Stets geht es um noch höhere Effizienz. Hielt ich früher reine Zeitplanungs-Seminare, gebe ich meinen Vorträgen heute eine andere Note, die des Energiemanagements. Zu stark sind Überforderung bei Führungskräften zu erkennen bis hin zum Burnout.

„Stress ist das Missverhältnis…

…zwischen wahrgenommenen Anforderungen und verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten, aus dem eine Bedrohung erwächst.“ Mein Freund, der Arzt und Psychotherapeut Dr. Herbert Mück, spricht hier von tatsächlichen und wahrgenommenen Anforderungen. Wobei die wahrgenommenen oftmals subjektiv sind und tief in der Geschichte eines Menschen wurzeln – wie bei den Schwaben.

Dagegen steht, was ein Mensch tatsächlich zur Verfügung hat an Kraft, Zeit, Unterstützung, Geld und Ressourcen, um all diesen Anforderungen gerecht zu werden. Hier kann ein Missverhältnis entstehen zwischen dem, was wir denken, das wir erreichen sollen und dem, was wir auch tatsächlich erreichen können. Daraus erwächst zunehmend eine Bedrohung, z. B. „Ich habe permanent einen überfüllten Schreibtisch, er wird nie leerer“.

Mein persönliches Energiekonzept

Ich bin selbständig. Derzeit begleite und berate ich über 60 Kunden: Organisationen, Gemeinden und Firmen. Daneben unterrichte ich und spreche auf Konferenzen. Auch Fortbildungen sind wichtig für mein berufliches und privates Weiterkommen. Meine Frau, vier Kinder und vier Enkel sowie Freunde haben ebenfalls zurecht zeitliche Ansprüche an mich. In ein Jahr muss ich demnach eine Menge unterbringen.

Seit vielen Jahren nehme ich mir deshalb im August zwei bis drei Tage Zeit. Ich werte aus, wie mein Jahr bisher gelaufen ist – mit welcher Tätigkeit ich zufrieden oder unzufrieden bin, welche Termine gut laufen oder eben nicht. Ich gehe in Klausur mit Gott und mir, um zu entscheiden, was ich im kommenden Jahr beibehalten möchte. Leitlinie hierfür ist die Frage: Bin ich noch auf der Spur meiner Lebensausrichtung und Berufung?

Zeit für das Wichtige

Ende Oktober gestalte ich jeweils meinen Kalender für das nächste Jahr: 40 Tage reserviere ich für ehrenamtliche Tätigkeiten; 200-220 Tage, um Geld zu verdienen; 20 Tage für die persönliche Weiterbildung, für meine Familie, Urlaub und Freunde. Zudem plane ich jede Woche einen Erholungstag ein. Und damit komme ich zum Energiemanagement:

Oftmals stehen so wichtige Lebensbereiche wie die persönliche Weiterbildung oder Zeit mit der Familie hinten an. Deshalb plane ich diese Zeiten gleich als Erstes ein. Sie dürfen selten verschoben, aber nicht gestrichen werden. Damit entkomme ich der Tyrannei des Dringlichen und bin ich nicht mehr ausgebrannt. – Ein Zustand, den ich vor 20 Jahren noch gut kannte.

Raus aus dem Hamsterrad!

Meiner Meinung nach fühlt sich in Deutschland jede zweite Führungskraft überfordert, gleichwie breite Teile unserer Bevölkerung. Gezieltes Umdenken kann hier Wunder wirken:

1. Kraftgeber und Kraftsauger: Nicht die Zeit ist das Thema, es sind die Kraftquellen. Ich bitte meine Führungskräfte oftmals, eine Tabelle zu erstellen. Links steht, was Kraft kostet, rechts was Kraft schenkt. Etwas Übung beim kritischen Blick in den Terminkalender und sie erkennen sowohl Kraftsauger als auch -geber immer schneller.

2. Realitätscheck: Was sind die tatsächlichen Anforderungen und wer stellt diese? Oftmals sind weniger die Chefs oder Kunden die negativen Antreiber als vielmehr der eigene Anspruch. Auch ein falsches Gottesbild kann uns anpeitschen und in einer Sklavenmentalität belassen. Anstatt als Kinder Gottes zu leben, die es sozusagen bereits geschafft haben und gar nicht verlieren können.

3. Die Bibel weiß es schon lange: Die griechischen Begriffe Chronos und Kairos stehen beide für Zeit. Chronos bedeutet der zeitliche Ablauf, also die reine Zeit. Kairos dagegen meint den günstigen Zeitpunkt. Salomo schreibt, dass alles seine Zeit hat, z. B. Saat und Ernte. Dieses Denken haben wir ein bisschen verloren, weil wir so getrieben sind von Chronos – dem Gott der Zeit in der griechischen Mythologie.

Das Denken vom richtigen Zeitpunkt revolutioniert den Arbeitsmarkt

Die Folge: Wir müssen die Minuten und Stunden füllen, wir messen die Zeit in hundertstel Sekunden. Die Bibel leitet uns dagegen an, auf den günstigen Zeitpunkt für etwas zu achten. Martha hat immer viel zu tun (Chronos), was ich nicht bewerten möchte. Doch Maria hat erkannt, dass es Zeit ist, zu Jesu Füßen zu sitzen und ihm zuzuhören (Kairos). Später dann kommt der Abwasch.

Zunehmend verdienen Firmen mit Denken Geld. Diesen Chefs ist die reine Arbeitszeit egal. Wichtig ist, was hinten ‚raus kommt. Im Vertrieb beispielsweise zählt natürlich immer noch Fleiß, doch zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Kunden zu sein bringt den Ertrag. Die Aufteilung von Chronos und Kairos bietet auch Stadtreformern die Möglichkeit, aus dem permanenten Hamsterrad auszusteigen. Wir haben einen klaren Vorteil, weil wir bezüglich des richtigen Zeitpunkts mit Gott zusammenarbeiten und von ihm geführt werden.

Paulus wird nicht müde

Folgender Satz ist mir schon seit Jahren eine echte Orientierungshilfe: „Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert (2. Kor. 4, 16-18). Wie alt bin ich innerlich? Das ist die eigentliche Frage. Innere Erneuerung wirkt sich gravierend auf den äußeren Menschen aus.

Was sichtbar ist, ist zeitlich, was unsichtbar ist aber ewig. Plötzlich bekommt das ganze eine neue Dimension. Wir fragen oft: Wer nimmt uns die Last, die Umstände weg. Kaum ist die eine Last von den Schultern, kommt die nächste. Paulus hat sich entschieden, nicht mehr auf diese Lasten zu schauen. Sondern auf die unverrückbaren Wahrheiten des Reiches Gottes. Das gibt ihm die Kraft, die Freude und den Willen, durchzuhalten.

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Comments
  • Simon Brand

    Danke für den Beitrag. Seh zeitgemäß und eine gute Akzentverschiebung im ganzen Thema „Leistungsdenken“. Mit diesem Hintergrundwissen versteht man auch den Vers „Kauft die gelegene Zeit aus.“ besser. Es geht nicht um das Auskaufen ALLER Zeit (Chronos), sondern das Nutzen der gottgegebenen Möglichkeiten/zeitpunkte (Kairos)

    Ich finde es schön, dass wenn schon der Autor dieses Artikels Martha nicht bewerten will, dies wenigstens von Jesus geschieht 😉 Maria hat das Gute Teil erwählt… was nicht heißt, dass Marthas Teil schlecht ist, aber Marias ist definitiv besser. Man darf aus der Ruhe Dinge tun und muss sich diese nicht erst verdienen.

    Möge Gott uns/mir Einsicht geben, was Kraft raubt und davon frei machen und offenbaren was Kraft spendet und uns davon überschütten 🙂

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