Unser immaterielles Erbe – was zählt im Leben unserer Kinder wirklich?

Als unser ältester Sohn 13 Jahre alt wurde, war mir schlagartig klar: Uns bleiben nur noch wenige Jahre, bis er unser Haus verlassen würde. Ich fragte mich, was unser – immaterielles – Vermächtnis an ihn sein würde. Auch überlegte ich: Was ist es, das Kinder allgemein lebensfähig macht, damit sie auf eigenen Beinen stehen können? Und was hilft ihnen dabei, ein gutes Leben zu führen, unabhängig davon, wie es laufen wird?

Zwei Leitgedanken verdichteten sich

Die vielen Erziehungsratgeber mit ihren massenweisen „Dos“ und „Don’ts“ erschlugen meine Frau und mich über die Jahre. Nun waren wir entschlossen, selbst zum Kern jener Werte vorzudringen, die wir für wichtig und elementar hielten. Und merkten dabei: Eigentlich ist es recht einfach! In vielen Gesprächen und nach gründlichen Überlegungen kristallisierten sich zwei Leitgedanken unserer Erziehung heraus:

1) Eigenverantwortlichkeit: Können meine Kinder zunehmend Verantwortung für ihr Leben übernehmen?

2) Gottesfurcht: Damit meine ich hier, achtsam zu sein, um auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Wenn wir diese beiden Werte vermitteln können, wird das Leben unserer Kinder gelingen. Das spürten wir. Und mit dieser Erkenntnis stellte sich ein bestimmter innerer Friede ein.

Verantwortung für das eigene Leben übernehmen

Dem Zusammenhang zwischen Freiheit und Eigenverantwortlichkeit schenkten wir besondere Beachtung. Wir vermittelten unseren Kindern: Je mehr Verantwortung du übernimmst, desto mehr Freiheit bekommst du. Beispiel: Wenn du dein Zimmer aufräumst, kannst du mit deinen Freunden rausgehen.

Diese Spur verfolgten wir relativ konsequent. Immer wieder fragten wir uns: Führt das oder jenes dazu, dass unsere Kinder zunehmend Verantwortung lernen oder nicht? Ich sehe hier einen roten Faden zu den Stadtreformern: Verantwortung zu übernehmen für den eigenen Lebens-Kontext. Und: Die Wege Gottes zu suchen, die zu einem erfüllten Leben führen – in Beruf und Familie.

Die guten Wege suchen

Achtsam zu sein heißt für mich beispielsweise: Die Folgen meines Handelns zu bedenken oder schnell zu vergeben, bevor die Sonne untergeht. Wie aber kann ich Kindern helfen, ihren „richtigen“ Weg zu finden? Die zentrale Frage lautet für mich: Führt diese Entscheidung zu einem guten Leben oder nicht? Drogen, Alkohol, Pornografie – es gibt viele Themen, mit denen junge Leute konfrontiert sind. Als Eltern sollten wir nicht nur festlegen: „Das darfst du!“ oder „Das darfst du nicht!“ Viel effektiver finde ich die Frage: „Was passiert mit dir oder den anderen, wenn du diesen Weg weiter gehst?“ oder „Was kommt dabei heraus, wenn du dir selbst oder jemand anderem Schaden zufügst?“

Erziehung nach dem Vorbild Gottes

Als ich selbst Vater wurde, wurde mir klar, dass die Orientierung an meinem leiblichen Vater allein nicht ausreichte. Meine Mutter verlor ich mit 15, meinen Vater mit 18 Jahren. Sie waren gute, aber durch Krankheit und Umstände überforderte Eltern. Daher wollte ich mich vielmehr an dem Verständnis orientieren, wer Gott als Vater ist und wie er handelt:

Gott leitet uns an und nimmt uns mit. Er erzieht und verzeiht uns. Dabei korrigiert und liebt er uns durch Situationen hindurch. Bei alledem ist er verlässlich und treu. Ich meine, es kann sogar wieder zu einem ähnlichen Austausch zwischen Gott und seinen Kindern kommen, wie es ihn am Anfang der Schöpfung offensichtlich gab: „Gott besuchte den Menschen in der Kühle des Abends“. Nicht zuletzt ist Gott als Vater auch bei Unrecht zornig. Das erhöht unseren Respekt vor ihm.

Der Praxistest – auch wir machten Fehler 

Meine Frau und ich haben inzwischen vier Kinder groß gezogen. Unsere jüngste Tochter ist nun 24 Jahre alt. Bei allen vier Kindern folgten wir unseren beiden Leitlinien. Nicht nur theoretisch. Wir gaben uns redlich Mühe, sie vorzuleben. Zugegeben: Wir mussten Rückschläge einstecken. Wir machten Fehler. Wir haben gelitten und uns als Eltern auch mal infrage gestellt.

Vor allem die Zeit der Pubertät forderte uns heraus. Wir machten die ganze Gefühlspalette „normaler“ Eltern durch: Von unbändiger Freude bis zur kompletten Verzweiflung. Im Rückblick sahen wir, dass wir von unserem ältesten Sohn zuviel erwartet und bei den beiden jüngeren Kindern etwas nachlässig geworden waren. Dafür entschuldigten wir uns bei unseren Kindern.

Am Ende wurde alles gut

Es kam auch vor, dass unsere Kinder die Freiheit ausnutzten, die wir ihnen gegeben hatten: Für den Schulleiter waren wir keine Unbekannten, weil wir ein paar unerfreuliche Termine mit ihm hatten. Zweimal musste ich sogar bei der Polizei vorstellig werden. – Ich, der Pastor! Natürlich hatten wir das nicht vorgelebt. Wir konnten aber jede Situationen bereinigen und wieder in Ordnung bringen. Bei allen Fehlern, die wir gemacht haben: Unsere Kinder spürten die ganze Zeit unsere Verlässlichkeit, die ihnen viel Sicherheit gab.

Im Rückblick sehe ich, dass unsere beiden Leitsätze tatsächlich Früchte getragen haben. Unsere Kinder sagen uns regelmäßig, dass sie für unsere Erziehungsgrundsätze dankbar sind und damit im Leben gut zurecht kommen. Verantwortung und Achtsamkeit werden auch bei den Stadtreformern ihre Wirkung erzielen und Frucht bringen. Ich bin überzeugt, dass bald schon eine große Ernte auf uns wartet.

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